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Sonntag 11.07.04

Interview mit Sergio Herrera (Stürmer Kolumbiens)

10.07.04 „Albigol“ – www.albigol.s3.cybton.com – Reporterin: Ana Isabel Sühling

Ich treffe Herrn Herrera im kolumbianischen Mannschaftshotels Los Delfines in Lima. Die Mannschaft ist einen Tag vor der Abfahrt nach Trujillo gerade von einer Einkaufstour zurück und wartet in der Lobby auf das Abendessen.
Sergio Herrera ist für südamerikanische Verhältnisse recht groß (fast 1m80) und wirkt sehr entspannt. Im Trainingsanzug macht er es sich in den schicken Ledersesseln bequem und telefoniert erst einmal mit seiner Familie in Kolumbien. Es ist dieser bestimmte entspannte Lebensrhythmus, der hier mal wieder zu Tage tritt. So sitze ich also einige Zeit neben ihm und zwei kolumbianischen Radiojournalisten und warte. Schließlich kann ich mich vorstellen und dann...

ALBIGOL: Herr Herrera, sie sind dem deutschen Publikum natürlich bei weitem nicht so bekannt wie dem südamerikanischen oder mehr noch kolumbianischen, deswegen die erste Frage: wie würden sie sich beschreiben, als Mensch und Spieler?
SERGIO HERRERA: Mal sehen, als Mensch... ich bin immer schon unkompliziert, sehr ruhig gewesen. Und gewissenhaft was die Arbeit angeht. Was das Fußballerische angeht, hm, ich sehe mich als torgefährlichen Stürmer, gut einsetzbar, denn obwohl ich Rechtsfuß bin, beherrsche ich auch das Spiel mit links.

ALBIGOL: Sie waren Torschützenkönig in der Olympiaqualifikation in Chile, konnten sich dann aber leider nicht mit Kolumbien qualifizieren. Was waren ihre Gedanken bei der Rückkehr?
SERGIO HERRERA: Ja stimmt, ich war Torschützenkönig im „Torneo preolimpico“, leider haben wir den Sprung verpasst... ich bin dann nach Kolumbien zurückgekommen, jene Saison habe ich für América de Cali gespielt, wurde Torschützenkönig in der kolumbianischen Liga, mit 13 Toren, und naja, jetzt habe ich das Glück und die Möglichkeit in der Auswahl von Kolumbien zu spielen. Das ist mein fünftes Spiel und ich habe schon drei Tore geschossen. Die Copa América ist im Moment auch das Wichtigste, mit Gottes Hilfe kommen wir ins Finale und danach, in Kolumbien, da schaue ich dann mal was sich für die Zukunft ergibt.

ALBIGOL: Ähnlich wie Paraguay oder Brasilien ist Kolumbien mit einer recht jungen Mannschaft nach Peru gekommen. Was sind die Erwartungen?
SERGIO HERRERA: Es sind nicht die selben Spieler wie zur WM-Quali angereist, weil es in der Tat Prioritäten gibt, für uns, und für alle Kolumbianer ist es das Höchste bei der WM dabei zu sein. Sie [A.d.R.: die Spieler, die nicht mitgekommen sind] haben einige Spiele auf dem Buckel und brauchen Ferien. Die Trainer und sie haben einstimmig beschlossen, dass es besser ist sie sich ausruhen zu lassen um dann noch besser in der Quali zu sein, eine kleine Auszeit zu nehmen und dann eine gute Saisonvorbereitung in den Klubs zu machen. Und uns anderen kolumbianischen Spielern eine Chance zu geben, wir, die wir gute Vorstellungen in der Liga abgeliefert haben. Gott sei Dank sind bis jetzt alle Erwartungen erfüllt worden und wir hoffen, dass wir weit kommen werden.

ALBIGOL: Und wie ist die Stimmung in der Mannschaft? Weht vielleicht so etwas wie ein neuer Wind, ohne einige der Stammspieler? Oder fühlen sie sich als eine „Ersatztruppe“?
SERGIO HERRERA: Nein, nein, auf keinen Fall. Wir erkennen das Können und den Verdienst der eigentlichen Stammspieler an und respektieren es, aber wer jetzt hier ist, sind wir und somit tragen wir auch die große Verantwortung und stellen uns ihr auch als Spieler. Aber wir wissen eben auch um die anderen, erfahrenen Spieler, die schon Großes für den kolumbianischen Fußball vollbracht haben und das will respektiert werden.
Abgesehen von Kolumbien also, wen sehen Sie als Favoriten für die Copa América an?
Das kann ich dir zum jetztigen Zeitpunkt echt nicht sagen. Die Copa hat gerade erst angefangen und da ist es schwer etwas zu sagen. Da gibt es immer viele, den Fußball begleitende Dinge, die eine Rolle spielen. Für uns kommt es darauf an, ein gutes Niveau zu halten. Wer Fehler macht, verliert.

ALBIGOL: Wenn Sie sich einen Klub aussuchen könnten, welchen würden Sie wählen und warum?
SERGIO HERRERA: Nein, also da habe ich keine Vorlieben, weil für mich das Wichtigste ist, einen Klub zu finden, wo ich in Ruhe arbeiten kann, wo sich meine Familie wohl fühlt und wo ich mich weiterentwickeln und meine Anlagen und Möglichkeiten voll ausschöpfen kann. Ich glaube das ist die Vorraussetzung, um ruhig zu sein und gut zu spielen.

ALBIGOL: Letzte Frage: was haben Sie für die Zeit nach der Copa América 2004 geplant, für ihre Zukunft?
SERGIO HERRERA: Ganz ehrlich, das weiß ich im Moment noch nicht. Noch ist nichts beschlossen. Natürlich habe ich an meine Zukunft gedacht und habe Pläne, aber, ehrlich, darüber möchte ich jetzt nicht sprechen. Aus Respekt vor der Mannschaft und weil ich gerade ein Turnier spiele, was uns allen sehr viel bedeutet. Nach der Copa, ja klar, dann werde ich über einiges reden, was meine Zukunft betrifft.
[Anmerkung: vor einigen Tagen wurde von einem Verkauf von Sergio Herrera an einen saudiarabischen Klub berichtet; besonders in Kolumbien würde diese Nachricht sicherlich wenig freudig aufgenommen]

ALBIGOL: Herr Herrera, wir danken Ihnen, dass Sie ALBIGOL dieses Interview gegeben haben. Und ich hoffe, dass wir uns bei der WM 2006 in Deutschland sehen.
SERGIO HERRERA: Ja, vielen Dank Ihnen.

Name: Sergio Darío Herrera Month
Geboren: Barrancabermeja, el 15 de marzo de 1981
Größe: 1,71 m
Gewicht: 75 kilos
Position: Stürmer
Vereine: América de Cali (2004), Alianza Petrolera (2003), América de Cali (2002), San Lorenzo (ARG, 2001).

 

 
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